Oswald Weisner (87 Jahre) vom Haus Heimweg in Ansbach ist Deutschland- und Gesamtsieger beim Klasse Wäsche Geschichten-Wettbewerb 2017

Mein liebstes Kleidungsstück: „Das Hochzeitskleid meiner Frau“

Ich kannte meine spätere Ehefrau schon Jahre und ebenso lange diskutierten wir über unsere Zukunft. Sie stammte aus einer gut katholischen Familie aus der Oberpfalz und ich aus dem lutherischen Ansbach. Obwohl ich ihr immer wieder sagte, dass ich sie heiraten möchte und nicht ihre Kirche, ergaben sich doch immer wieder kirchliche Differenzen.
Schon bevor wir uns kennenlernten, wusste ich, dass Katholiken, die verwitwet, oder Mädchen mit unehelichen Kindern, in Schwarz heirateten. Und so einigten wir uns, dass wir es auch so machen wollten. Unsere beiden Elternpaare waren einverstanden. Meine Hilde erschien im Standesamt in einem Modelkostüm im Stil Soraya und einem ganz flachen Hut mit kurzem Schleier, wie üblich alles in dunklem Anthrazit. Ich trug den neuen schwarzen Hochzeitsanzug, den ich bis zu ihrer Beerdigung nach glücklichen 51 Ehejahren als Traueranzug trug. Wenn ich mir die Hilde im Standesamt so betrachtete, so konnte ich sie mir auch bei der kirchlichen Trauung in Schwarz ganz adrett vorstellen. Es war eben der Preis, dass sie sich in der evangelischen Kirche trauen ließ.
Samstag morgens holte mich das geschmückte Hochzeitsauto ab und wir fuhren zu meiner Braut. Im Hauseingang standen ihre Hochzeitsgäste. Der Brautführer geleitete die Braut bis zur Tür. Ich hatte das schwarze Kostüm vom Vortag vor Augen und glaubte es nicht. Es dauerte, bis ich zur Besinnung kam! Meine Hilde stand in einem taillierten, langen, weißen Hochzeitskleid mit langem Schleier vor mir. Es dauerte, bis ich es erfasste. Dann überreichte ich ihr zwölf langstielige, dunkelrote Rosen. Als wir uns umarmten, sagte sie zu mir: „Das Kostüm konnte ich dir doch nicht antun“. Nach der Trauung spielte die Orgel das Lied „So nimm denn meine Hände und führe mich“. Das war ihr Wunsch. Wir waren im 7. Himmel.
Das Hochzeitskleid wurde noch oft getragen. Gekürzt und leicht cremig eingefärbt, besuchten wir damit als leidenschaftliche Tänzer, jahrelang zahlreiche Bälle.

Anmerkung: Oswald Weisner hat diese Geschichte eigenhändig auf seiner Schreibmaschine zu Papier gebracht. Er stellt sie Klasse Wäsche zur Veröffentlichung zur Verfügung.